Was ist Neurochirurgie?

Was ist Neurochirurgie?

Wie bereits aus der Bezeichnung „Neurochirurgie“ zu entnehmen, beschäftigt sich diese Fachdisziplin mit der operativen – und zunehmend auch nicht-operativen Behandlung – von Erkrankungen des Nervensystems und seiner Umgebungsstrukturen. In der Alltagspraxis stehen Funktionsstörungen des Rückenmarks und der Wirbelsäule, sowie des Gehirns und der peripheren, also in Armen und Beinen verlaufenden Nerven im Vordergrund. 

Neben den eigentlichen Erkrankungen des Nervengewebes, hierzu zählen Neubildungen und Entzündungen, beruht eine Vielzahl von Störungen unseres Nervensystems nicht auf einer ursächlichen Erkrankung dieses Organssystems, sondern auf einer Behinderung einer normalen Nervenfunktion durch Erkrankungen von Nachbarorganen. Bekanntestes Beispiel ist der Bandscheibenvorfall. Hier ist der für den Patienten im Vordergrund stehende Nervenschmerz nicht Ausdruck eines unmittelbaren Nervenleidens sondern Folge eines Entzündungsprozesses der durch eine Störung des Nachbarorgans Wirbelsäule ausgelöst wird. Konsequenterweise muss sich eine dann kausal sinnvolle Therapie auf die Behebung der auslösenden Ursache im Bereich des Knochensystems richten. 

Genau diesem Ansatz folgt die moderne, häufig bereits minimal-invasive Neuochirurgie. Die primäre Behandlungsperspektive liegt hier auf der Wiederherstellung einer möglichst ungestörten Nervenfunktion. Im Mittelpunkt des neurochirurgischen Denkens steht somit unser Nervensystem und unterscheidet sich damit grundlegend von einem klassischen orthopädisch geprägten Behandlungsansatz wo Knochen und Bandstrukturen den Ausgangspunkt des therapeutischen Denkens bilden. 

Vor diesem Ansatz wird verständlich, warum auch die technologische Entwicklung der neurochirurgischen Techniken seit den 70 Jahren des vorigen Jahrhunderts einen eigenständigen Weg eingeschlagenen hat. Mit der Entwicklung des Operationsmikroskops wurde es zunehmend möglich chirurgisch bedingte Gewebsverletzungen auf ein absolutes Mindestmaß zu reduzieren. 

Der Grundsatz des chirurgischen Denkens am Wirbelsäulenzentrum am Stiglmaierplatz basiert weder auf der reinen orthopädischen Lehre noch der festgefügten neurochirurgischen Schule. Grundlage unseres operativen Handelns ist erstens ein für jeden Patienten individuell festzulegender problemorientierter Ansatz. Zweitens gilt unsere Maxime das Ausmaß des Eingriffs auf das notwendige Minimum zu reduzieren. (cg)